Ein Ritter war beim Turnier und in der Schlacht gegnerischen Attacken ausgesetzt. Rüstungen sollten den Ritter vor dem Tod und vor schlimmen Verwundungen schützen. Mit der Weiterentwicklung der Waffen mussten dafür immer wieder neue Lösungen gefunden werden - wobei stets das Problem auftrat, die Bewegungsfreiheit des Gepanzerten nicht zu stark einzuschränken. Das Erscheinungsbild der Rüstungen hat sich dadurch über die Jahrhunderte stark gewandelt. Dadurch, dass die Rüstungen aber immer aufwändiger und prunkreicher wurden, wurden sie auch immer komplizierter in der Herstellung und damit immer teurer. Vor allem die besonders aufwändig gearbeiteten Turnierrüstungen konnte sich fast keiner leisten - abgesehen von den reichen Adelsherren. Die unterhielten ganze Rüstkammern mit einfachem Rüstzeug für Soldaten, verliehen aber auch prachtvolle Rüstungen an Prestige-Prächtige Turnier-Teilnehmer. RüstungsformenKettenhemd |
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Der Ritter im ausgehenden 12. Jahrhundert trug einen Maschenpanzer, dessen Hauptstück das Kettenhemd war. Es war aus Tausenden enger Eisenösen gefertigt, die in ein bis zwei Schichten übereinander lagen. Dieses Maschengewand reichte über Arme und Oberbeine. Die Unterbeine wurden durch einseitige (also vorderseitige) Beinlinge geschützt, die ebenfalls aus engmaschigem Kettenmaterial gefertigt waren wie auch der Kragen: Bei den frühen kegelförmigen Helmen lag der Nacken nämlich offen. Der Gesichtsschutz war bei diesen Helmformen nur sehr gering ausgeprägt: Lediglich ein Nasenband schützte den Ritter vor Schwerthieben in Augenhöhe. |
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Die Rüstung in der Mitte des 13. Jahrhunderts verfügte über eine wichtige Neuerung: Der so genannte Topfhelm schränkte den Sichtkreis zwar stark ein, gewährte dafür aber auch einen nahezu vollständigen Gesichtsschutz. Um die Erschütterung der Schläge zu dämpfen trugen die meisten Ritter eine gepolsterte Bundhaube unter der stählernen Kopfbedeckung. Trotzdem konnte es jedoch vorkommen, dass man sich nach einem wilden Kampf den verbeulten Helm von einem Schmied abnehmen lassen musste. Den Oberkörper schützte nicht mehr nur ein Kettenhemd, weil dieses den weiter entwickelten Waffen kaum noch standhalten konnte. Man hatte begonnen, für den Rumpf des Ritters eine Art Panzer zu entwickeln, der in seinem frühen Stadium noch aus Eisenteilen bestand, die auf das Oberkleid genietet wurden: Der so genannte Wappenrock wurde über dem Kettenhemd getragen. Außerdem ging man dazu über, Beine und Hände besser zu schützen: Erste Ketten-Fäustlinge und Rundum-Kettenbeinlinge kamen auf. |
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Zu Beginn des 14. Jahrhunderts waren die Waffenschmiede so weit, dass
sie Rüstungsteile komplett aus Stahl fertigen konnten. Als erstes bedachte
man damit jene Körperstellen, die Angreifern am stärksten ausgesetzt waren
und durch deren Verwundung ein Ritter besonders geschwächt werden konnte.
So bedeutete etwa eine zertrümmerte Kniescheibe oder ein unheilbar getroffener
Ellbogen nicht selten das Ende einer Ritter-Karriere. Man begann also, Knie,
Ellbogen und auch Schultern mit Scheiben oder so genannten Kacheln zu schützen,
die mit Lederriemen befestigt wurden. Arme und Beine umgaben dabei bereits
halbröhrenartige Schienen und Buckel. Über die Knie- und Ellbogenkacheln
wurden sie miteinander verbunden. Im Zuge dieser Weiterentwicklung der Rüstungen
ging man auch dazu über, Handschuhe mit schützenden Platten herzustellen. |
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Mazotti von Münster um 1400
Simon von Taisten, Leben und Leiden Christi, vor 1484, Zyklus, Virgen, Filialkirche, Zu Unserer Lieben Frau Maria-Schnee
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Einfache Frei Bürger brauchten auch keine Turnierrüstunegen, da ihnen
der gesellschaftliche Stand fehlte sich an diesen Turnieren als Combatant
besteiligen zu dürfen. Vor allem die Rüstungen, die die Ritter zum so genannten
Tjost trugen (berittener Zweikampf mit der Lanze), wichen zum Teil erheblich
von den Kampfrüstungen ab. So gingen die Ritter oftmals "unten ohne" zu
den Turnieren, da das Beinzeug am Sattel befestigt war. Auf der linken Seite
- jener Körperhälfte, die dem Gegner zugewandt war - verstärkten oft besonders
dicke Stahlkacheln die Rüstungen, um den Ritter zu schützen. Diesem Zweck
diente auch der Froschmaul-Stechhelm: Er bedeckte Brust und Rücken bis weit
hinunter und war fest mit der Rüstung verbunden, damit der Kopf bei heftigen
Stößen nicht nach hinten knickte. Als Sehschlitz war nur ein schmaler Streifen
weit oben am Helm vorhanden, durch den man nur etwas sehen konnte, wenn
man den Kopf nach unten beugte. So nahm man den anreitenden Gegner ins Visier,
klappte den Kopf beim Stoß jedoch wieder nach oben, damit die Lanze des
Gegners sich nicht an dem Sehschlitz festhaken konnte. Den linken Arm schützte
ein fester Unterarmpanzer, die rechte freiliegende Hand dagegen wurde von
der Brechscheibe der Lanze gedeckt. Auf der rechten Seite der Rüstung sorgten
außerdem Rüstungshaken und eine Auflage für die Lanzenhalterung. |
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Der Großteil der militärischen Macht ging von der Vielzahl der Freien
Bürger aus die niedrigeren Adeligen mussten stets eine festgelegte Zahl
ihrer Lehnsmänner zum Wehdienst abstellen, diese wurden im Kriegsfall und
führ den Wehrdienst von ihnen ausgerüstet. Ritter waren ihren Lehnsherren
zum Gefolge verpflichtet, das heißt sie mussten auch für ihn in den Krieg
ziehen. Daneben gab es aber auch so genannte Sergeanten (die eigentlichen
Soldaten des Mittelalters), die Verträge mit ihren Dienstherren abschlossen.
Der Sold reichte dabei jedoch nicht aus, eine ebenso gute Ausrüstung an
Waffen und Panzerschutz zu erstehen wie reiche Ritter. Neben den berittenen
Sergeanten gab es das kämpfende Fußvolk, für das ein schwerer Panzer eher
hinderlich gewesen wäre. Aus praktikablen wie finanziellen Gründen beschränkte
sich die Rüstung der mittelalterlichen Kämpfer also häufig auf Kettenhemd,
Beinlinge, Eisenhut und auf einen mit Platten besetzten Waffenrock. Berittene
Sergeanten versuchten natürlich nach Möglichkeit, auch ihre Pferde mit einem
gepanzerten Schutz zu versehen, da die Pferde das teuerste Gut der Kriegsausstattung
darstellten. |
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Obwohl schon den Römern bekannt, sind Pferdepanzerungen vor 1160 - 1174 nicht belegbar. Diese Panzerung könnte aus Ringgeflecht bestehen. Wegen der Kosten oder des Gewichts waren sie aber eher selten. Häufiger sind vermutlich Wattierungen aus Stoff und Panzerungen aus Leder gewesen. Schabracken für diese Pferde traten kurz nach dem Auftreten des Surcoats auf. Gegen 1210 waren sie schon recht verbreitet. Ersonnen von Jusczi |
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zuletzt aktualisiert 30.01.2010 |