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Copyright Gyburc Rennewart mit Erlaubnis vom www.turandot.de Verlag Prolog:In der Forschung wird die Frage nach dem Bild der Frau im
Mittelalter als sehr schwierig betrachtet. Historische Aufzeichnungen sind
zumeist klerikalen Ursprungs - weltliche Darstellungen in der Literatur
geben zuweilen nur Wunschbilder wieder oder wollen durch Übertreibung unterhalten.
Die höfische Epik zeigt nur einen Einblick in das Leben der feudalen Oberschicht
- die Masse der Städterinnen und Bäuerinnen bleibt unerwähnt. Aus diesen
Gründen gibt es keine eindeutigen Quellen, die das Leben der Frauen aller
Stände belegen, und wir müssen uns mit den Hypothesen sozi-historischer
Analysen begnügen. So gibt es widersprüchliche Aussagen (und Belege) zur
Arbeit der Frauen (z.B. in den Zünften) ebenso wie zum Bedeutungswandel
der Ehe in der Feudalgesellschaft. Auch die Frage muss offen bleiben, wie
Frauen im Mittelalter ihre Situation selbst erkannt und erlebt haben. Aspekte
des Frauenlebens im frühen Mittelalter sind nachfolgend mit den oben erwähnten
Einschränkungen zusammengetragen worden: |
Die FrauenbilderFrauen sind labil, führen andere in Versuchung, sind zänkisch, herrisch
und stets bemüht, den Mann zu unterjochen und ihn jeder Lebensfreude zu
berauben. Frauen sind für den Mann erschaffen worden und haben sich ihm
deshalb zu unterwerfen. Von Natur aus minderwertig, sind sie dem Mann körperlich
und geistig unterlegen. So und ähnlich kann Frau es in den Schriften berühmter
Kirchenväter des Mittelalters lesen, die ihre männlichen Schützlinge vor
allzu unbedachter Annäherung an die Frauen zu bewahren suchten. Das Frauenbild
der Kirche ist durch frauenfeindliche und diffamierende Schilderungen gekennzeichnet.
Der Mann hingegen ist wie geschaffen dafür, ein gottgefälliges Leben zu
führen. Frauen sind ungebändigt, zügellos und widerspenstig und müssen erst
vom Vater und später vom Ehemann erzogen werden, um Demut und Gehorsam zu
lernen. |
Die Frau in der EheFrauen aller Stände heirateten meistens bzw. wurden im Alter von 12 bis
16 Jahren verheiratet. Die Ehefrau war ihrem Ehemann untertan - wie es in
der Trauungsformel hieß. Der Gatte besaß die Vormundschaft über die Frau,
was sich besonders in Rechtsangelegenheiten auswirkte. Der Ehemann hatte
allein das Nutzungsrecht des ehelichen Vermögens. Zwar galt mancherorts
der Modus, dass die Frau den Veräußerungen aus ihrem Vermögen erst zustimmen
musste - doch die Verweigerung wäre vom Ehemann als Treuebruch ausgelegt
worden. Der Mann hatte das Recht, die Frau zu verstoßen und zu züchtigen. Die Kirche kritisierte die Institution Ehe und begründete dies mit dem
Scheitern der Paradiesehe. Aus weltlicher Sicht war die Ehe eine Funktionsgemeinschaft
- durch Rechte und Pflichten geregelt. Besonders bei Städterinnen und Bäuerinnen
galt das Prinzip der Arbeitsteilung, wobei der Frau die Bereiche Haushaltsführung,
Kindererziehung, der Versorgung der Tiere und Nahrungsproduktion zugeteilt
wurden. Die Sicherung der Lebensbedürfnisse hing eng mit der guten Zusammenarbeit
von Frau und Mann zusammen. Die Frauen der unteren Stände "erarbeiteten"
sich ihre "Gleichberechtigung" und ihre geachtete Position. |
Rechtliche Stellung der FrauEine Frau, die Notzuchtsklage gegen einen Mann einreichte, musste dies mit zerrissenen Kleidern und zerzausten Haaren tun. Nur der Augenscheinbeweis wurde von den Richtern anerkannt. Dem Recht nach waren volljährige (18 Jahre), ledige Frauen und Witwen selbständig. Als Witwe konnte die Frau die Vormundschaft über ihre unreifen Kinder erwerben. Frauen, die ein reiches Erbe erhalten hatten, mussten sich meistens neu verheiraten, um ihren Besitz zu schützen. Das Erbrecht der Frau gestaltete sich unterschiedlich - sie erlangten es immer dann, wenn keine männlichen Erben mehr vorhanden waren. Üblicherweise verloren verheiratete Frauen durch die Mitgabe der Mitgift vollends ihren Erbanspruch. Die Frauen waren in der Regel finanziell und vom Schutz der Männer abhängig. Diese beiden Kriterien verfestigten ihre untergeordnete Stellung innerhalb der Feudalgesellschaft. |
Bildung und Freizeit der adligen FrauSticken, Weben, Reiten, Schachspielen, Singen, Tanzen, Gedichte vortragen und die Anwesenheit bei Ritterturnieren gehörten zu den Beschäftigungen der adligen Frauen. Es war ihre Aufgabe, bei Hoffesten für die Unterhaltung und Friedfertigkeit der stets kampf- und streitbereiten Ritter zu sorgen, indem sich die Frauen immer zwischen die Ritter platzieren mussten. Im Mittelalter wurden adlige Frauen am Hofe als Friedensstifterinnen angesehen. Zur Ausbildung der Mädchen gehörte die Unterweisung in Religion, im Lesen und Schreiben. Bildung hatte jedoch keinen großen Stellenwert in der Feudalgesellschaft, wo Kampffähigkeit und Eroberungswille den Reichtum des Adels begründeten. Erst später - mit der Verbreitung des Schrifttums, wo "Beamte" (Ministeriale) aus dem Bürgertum aufgrund ihrer Kenntnisse den Adelstitel verliehen bekamen, betrachtete man/Frau Bildung als Vorzug. Als Mitte des 12. Jahrhunderts die ersten Universitäten gegründet wurden, verweigerte man den Frauen den Zutritt. |
Wissende Frauen - Berufung zur Hexe?Im 14. bis 16. Jahrhundert bietet das Leben berufstätiger Frauen wissenswerte
Einblicke. Es standen den Frauen - wenn auch nur einer kleinen Minderheit
- bereits einige Möglichkeiten offen, selbständig und unabhängig von einem
Mann zu leben. Aber es dauerte nicht lange, bis "Mann" die Freiheit der
Frauen wieder zu beschneiden begann, was zuletzt in der Hexenverfolgung
gipfelte. Die Mehrheit der Frauen lebte nach wie vor als Ehe- und Hausfrau
in finanzieller Abhängigkeit vom Ehemann. Die Masse der allein stehenden
Frauen verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Mägde, Dienstbotinnen oder
Dirnen. Alte Frauen, Kranke und Behinderte fristeten ein erbärmliches Dasein,
besonders wenn sie ohne familiäre Unterstützung auskommen mussten. |
BäuerinnenDas Leben der Bäuerinnen veränderte sich in den Jahrhunderten des Mittelalters
kaum. Sie und die Kinder mussten Schwerstarbeit leisten, um das Überleben
zu sichern. Es galt nicht nur, die Hausarbeit zu erledigen, sondern auch
Feldarbeit zu errichten. Putzen, Kochen, Spinnen, Schöpfen von Wasser, Schüren
des Feuers, Käsen, Vieh und Gemüsegarten versorgen, Getreide einbringen,
Mähen und Garben binden und vieles mehr waren ihre Arbeiten. Beim Pflügen
musste die Frau den Ochsen antreiben, während der Mann die Furchen zog.
"Arbeitsteilung" zwischen Mann und Frau galt als Prinzip. Es wird allerdings
geschätzt, dass die Frauen ca. 14 1/2 Stunden pro Tag mit der Feldarbeit
beschäftigt waren und zusätzlich die Arbeiten im Haus, im Stall und für
die Familie erledigten. Die höhere Sterblichkeit von verheirateten Frauen
"in den besten Jahren" dürfte ein Indiz für die körperliche Überbelastung
der Frau sein. |
Städterinnen und berufstätige FrauenRechtliche Beschränkungen, die auf dem Land und in der Burg das Leben
der Frauen kennzeichneten, galten nicht in der Stadt. So hafteten Städterinnen
nicht mit ihrem Brautschatz für die Schulden ihrer Männer, sie konnten selbst
über ihr eigenes verdientes Geld verfügen. Viele Frauen nutzen die Möglichkeit,
einen eigenen Beruf auszuüben. |
Kleidung der FrauenCharakteristikum für die Stellung der Frau ist auch immer die Kleidung. Bereits im 14./15. Jh. Begann Kleidung "Mode" zu werden. Während die Bäuerinnen sich praktisch und einfach kleideten, wandelte sich die Garderobe der Städterinnen erheblich, wobei sich die neue Kleidung häufig durch hinderliche Attribute auszeichnete. Die Unterkleider wurden feiner, die Formen den Ärmel immer auffallender. Die Haare wurden mit einem Schleier oder einer Haube bedeckt. Die ledige Frau trug ihre Haare sichtbar als Zopf oder offen. Verheiratete Frauen trugen eine leinene, gestreifte, knapp aufsitzende Kopfbedeckung mit einem Kinnband, welches so stark angezogen wurde, dass die Frau nur lispeln und erst nach einer Lockerung unbehindert essen konnte. Die Kleider boten tiefe Einblicke ins Dekolleté und waren so enganliegend, dass sie die Körperformen betonten. Auf Bildern und Beschreibungen von Frauen stehen immer wieder ihre Gewänder im Vordergrund. Kleidung war wichtiges Attribut weiblicher Repräsentanz, kennzeichnete ihre Stellung, ihren Beruf, machte sie aber auch zum Objekt der Betrachtung. |
DirnenIn der ironisch-zynischen Dichtung der fahrenden Spielleute wurde das
derbe Bild der Frau als Lustgespielin betont. Die Frau erscheint als ein
Ding, an dem man sich abreagiert, ein Objekt dessen, der den Tag beherrscht,
des Mannes. Das eigentümlich heranwachsende Misstrauen gegen Frauen, dem
sich die Männer in der Literatur durch Herabwürdigung Luft verschaffen,
ging einher mit der wachsenden Selbständigkeit von Frauen in den Städten
als Handwerkerinnen und in anderen Berufen. |
Gewalt gegen FrauenDie wachsende Selbständigkeit der Frauen steigerte das Misstrauen und
die Feindseligkeit der Männer. Brutalitäten und Unterdrückung waren für
den Großteil der Frauen nach wie vor grausame Realität. Vergewaltigungen
waren so häufig, dass sich die Obrigkeit mancherorts zur drakonischen Bestrafung
der Täter entschloss. |
FazitAls Fazit stellen wir heraus, dass Edelfrauen trotz mancher Rechte diese allein kaum durchsetzen konnten. Städterinnen und Bäuerinnen gelang es, sich aufgrund ihrer Arbeitsleistung, die für den Familienunterhalt unentbehrlich war, Achtung und Mitspracherecht in Familienahngelegenheiten zu verschaffen. Von Seiten der Kirche und des Staates stellt sich die Tendenz heraus, den Frauen die Möglichkeit auf Unabhängigkeit zu beschneiden. |
ZeitinformationZeitspanne: 5. Bis Anfang 16. Jahrhundert Zum Begriff: der Begriff "Mittelalter" wurde von den Humanisten für die vermeintlich "dunkle Zeit" zwischen Antike und Renaissance (Wiedergeburt der Antike) in Bezug auf die geistig-philosophische Entwicklung eingeführt. Gesellschaft: es herrscht die Dreiständegesellschaft, bestehend aus Feudaladel und Klerus/ Städtern, Handwerkern und Kaufleuten/ Bauern. Feudalismus: Der Feudaladel, eine zahlenmäßig kleine Oberschicht bestimmt die politische, soziale und wirtschaftliche Ordnung. Ihre Herrschaft beruht auf dem Besitz von Land und den darauf befindlichen Produktionsgütern sowie auf der Leibeigenschaft ihrer Produktionsträger - den Bauern. Recht und Gesetz werden mittels physischer Gewalt durchgesetzt. Geldwirtschaft: mit der Einführung der Geldwirtschaft (Mitte 13. Jh.) verschieben sich die Machtverhältnisse allmählich. Es entstehen Städte als Handelsmetropolen. Reichtum und Besitz können nun auch mit Geld und nicht nur von Adligen per Abstammung und Gewalt erworben werden Copyright Gyburc Rennewart Verlag www.turandot.de |
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zuletzt aktualisiert
30.01.2010 |